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Presse-Mitteilung Dezember 2006

Riskante Teilung - Unsachgemäß geteilte Tabletten können ihre Wirksamkeit einbüßen

Etwa ein Viertel aller Tabletten werden von ambulant behandelten Patienten vor ihrer Einnahme geteilt. Dies ist jedoch nicht immer unproblematisch, denn knapp ein Zehntel der zum Teilen verordneten Tabletten haben keine Bruchkerbe, die eine präzise Teilung ermöglicht. Bei ungefähr 4 Prozent ist die Teilung sogar gefährlich für den Patienten. Dabei stehen für mehr als die Hälfte dieser Tabletten ohne Bruchkerbe geeignete Medikamente als Alternative zur Verfügung, bei denen auf eine Teilung verzichtet werden kann und die oft sogar kostengünstiger sind.

Dies sind die Ergebnisse einer Untersuchung, die Wissenschaftler des Klinikums im "European Journal of Clinical Pharmacology" veröffentlicht haben. Dazu befragten sie insgesamt 905 ambulante Patienten, die mindestens drei Medikamente einnahmen Am häufigsten geteilt wurden Medikamenten zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, zur Bluttverdünnung und Senkung des Cholesteringehalts im Blut.

"Das Tablettenteilen kann aus mehreren Gründen heikel sein", erklärt Professor Dr. Walter E. Haefeli, Ärztlicher Direktor der Abteilung Klinische Pharmakologie und Pharmakoepidemiologie. Bei vielen Tabletten wird der Wirkstoff vor dem sauren Magensaft mit einem magensaftresistenten Überzug geschützt. Werden diese Tabletten geteilt, wird der Wirkstoff bereits im Magen freigesetzt, dabei zerstört und das Medikament wird unwirksam. Bei Tabletten mit einem so genannten Retard-Überzug, der die Freisetzung verlängert, kann die Wirkung des Medikamentes verkürzt werden oder, wenn der gesamte Wirkstoff auf einmal freigesetzt wird, das Risiko für Nebenwirkungen steigen.

Auch Tabletten mit speziellen Überzügen, die den Wirkstoff vor einer Inaktivierung durch Luftsauerstoff, Licht oder Feuchtigkeit schützen oder einen unangenehmen Geschmack überdecken, können nicht ohne weiteres geteilt werden. Besonders zu beachten ist, dass selbst vermeintlich leicht teilbare Tabletten mit einer Kerbe nicht immer geteilt werden können, da es sich in manchen Fällen nur um eine irreführende "Schmuckkerbe" handelt.

Ein Defizit besteht bei den Fachinformationen für Ärzte und den Beipackzetteln für Patienten: Sie gehen auf die Teilungsmöglichkeit von Tabletten nur unzureichend ein. Es ist daher für Patienten und Ärzte häufig nicht ersichtlich, ob die verordneten Tabletten zur Teilung geeignet sind. Doch vor allem für ältere Menschen und Kinder stehen Arzneimittel nicht immer in der gewünschten Dosis zur Verfügung.

Aber auch aus ökonomischen Gründen werden Tabletten geteilt: Wegen der gesetzlich geforderten Zuzahlungen pro Packung kann es für den Patienten günstiger sein, weniger Packungen mit dem höher dosierten Medikament zu kaufen und die Tabletten zu teilen, als eine größere Anzahl Packungen mit dem niedriger dosierten Medikament. Wenn Packungspreise nicht proportional mit der Wirkstärke ansteigen, kann es überdies auch zu Budgetentlastungen für den verschreibenden Arzt kommen.

"Es ist jedoch zu beachten, dass es gerade für ältere Menschen mit oft eingeschränkter Fingerfertigkeit oder Sehschwäche schwierig ist, Tabletten fachgerecht zu teilen", berichtet Professor Haefeli. Im Klinikum ist das Tablettenteilen eher die Ausnahme. " Die meisten Medikamente haben wir in verschiedenen Dosierungen vorrätig", erklärt Dr. Torsten Hoppe-Tichy, Leiter der Klinik-Apotheke. "Wenn nicht, dosieren wir entweder auf Anfrage neu oder bestellen das entsprechende Präparat: Es steht dann innerhalb eines halben Tages zur Verfügung." Sollte eine Tablettenteilung doch notwendig sein, z.B. wenn ein Patient neu eingeliefert wird, kann bei der Klinik-Apotheke nachgefragt werden, ob bestimmte Tabletten teilbar sind oder nicht. "Nach einer solchen Absicherung ist die Teilung durch eine erfahrene Pflegekraft kein Problem." Allerdings bringen viele Patienten ihre zu hoch dosierten Tabletten mit auf Station und teilen dort wie gewohnt weiter.

Schwierig ist die Tabletteneinnahme bei Kindern, denn die meisten Medikamente gibt es nicht in kindgerechter Dosierung. Auch hier hilft die Apotheke weiter, indem sie genau dosierte orale Lösungen und Kapseln herstellt. Kann die Hausapotheke dies in schwierigen Fällen nicht selbst bewerkstelligen, wird sie von der Klinikapotheke unterstützt und beraten. Auf diese Weise lassen sich Medikationsfehler zuverlässig vermeiden.